Moritz, 14 Jahre, 10 Monate und 15 Tage

Den folgenden Text hatte ich vor 2 Wochen geschrieben und zur finalen Bearbeitung in den Entwurfsordner verschoben. Heute nun haben wir endgültig Abschied genommen von unserem geliebten und verhätschelten Westie MORITZ.

Trotzdem oder gerade deshalb stelle ich den Entwurf von damals in meinen Blog, als eine Hommage und gute Erinnerung an einen wichtigen Meilenstein unseres Lebens. Moritz, wir werden Dich nie vergessen, Du hast unser Leben immer bereichert! Nun nachfolgdend der Text:

Nein, heute ist mal nicht unser IT der Mittelpunkt, sondern unser Senior Moritz.

Halb blind, halb taub und morgens mit müden Knochen unterwegs, merkt man nun leider an jedem Tag, dass die Beschwerden des Alters auch ihn fest im Griff haben.

14 Jahre lang war Moritz unser Springball, immer unterwegs, nie auf der faulen Haut liegend, immer der Meinung, ein zu klein geratener Rottweiler zu sein und obendrein Vorfahren im Windhundebereich zu haben.

14 Jahre war er treuer Begleiter bei Berg-Wander- und Radtouren. 20 Kilometer und mehr am Fahrrad waren kein Problem für ihn, er rannte sich die Seele aus dem Leib, immer vornweg und mit unermüdlicher Begeisterung. Wollten WIR mal stehen bleiben, trieb er uns sofort wieder an, stupste mit seiner schwarzen Nase an unsere Beine und fiepte in hohen Tönen, als wollte er sagen: he Kumpels, nur keine Müdigkeit, weiter gehts, Ihr Luschen ;-)

14 Jahre war er ausserdem bei fast allen Gelegenheiten an unserer Seite, sei es beim Baden im See, beim Fest in der Kirchengemeinde, beim Dinner im feinen Restaurant, bei unzähligen Urlauben, Verwandtenbesuchen usw.

Nun ist alles anders. Moritz ist müde geworden, sein Leben besteht nun aus 18 Stunden Schlaf und dazwischen mal ins eine Zimmer, dann ins andere Zimmer schleichen. Am liebsten schleppt er sich hinauf ins Schlafzimmer unterm Dach, um von dort oben nach einigen Stunden einige Fiepslaute von sich zu geben: holt mich wieder runter, ich habe Hunger! Treppen nach unten steigen kann er nämlich nicht mehr und nachdem er schon einige Purzelbäume abwärts geschlagen hat, hat er es nun eingesehen und lässt sich gnädig von uns nach unten tragen.

Ja, und das ist das größte Problem geworden: das Anfassen! Das darf man nämlich nur noch auf eine bestimmte Art und Weise und keinesfalls ohne Vorwarnung. Also, wenn denn nun die Notwendigkeit besteht, Moritz auf den Arm zu nehmen, muss man ihn als erstes anbrüllen: HALLO MORITZ, WIR NEHMEN DICH JETZT HOCH - IST DAS IN ORDNUNG FÜR DICH??? Dann erst darf man ihn hochnehmen.

Hat man ihn dann aber einmal hochgenommen, lässt er sich gnädig von Zimmer zu Zimmer tragen, immer hocherhobenen Hauptes und mit der Würde eines Königs.

Da die Augen nicht mehr funktionieren, fungiert ein Ohr als Antenne. Er lässt das Ohr an der Wand entlang streichen und dreht so Runde um Runde in dem Zimmer, in dem er gerade ist. Ist eine offene Türe im Weg, wird es schwierig: dann hat der Rundlauf ein abruptes Ende: für Moritz gibt es kein Weiterkommen, er bleibt stehen, bis er von uns aus der misslichen Lage befreit wird.

Auch die Ohren versagen leider ihren Dienst. Besonders unangenehm beim Spazierengehen: Moritz bleibt an einem interessant riechenden Strauch stehen, schnüffelt ausgiebig, die Menschen achten einen Augenblick nicht darauf und schon läuft Moritz in entgegengesetzter Richtung davon, immer weiter weg von seinen Menschen. Da heisst es, sich sputen und den kleinen Kerl wieder einfangen, oftmals begleitet vom Gelächter der Umstehenden.

Lieber Moritz, Du lehrst uns, mit den Gebrechen des Alters umgehen zu lernen. Ungeduld ist hier fehl am Platz: Geduld und unsere Liebe zu Dir werden Dir Deine letzte Zeit hoffentlich so schön wie möglich machen! Danke für Deine Treue und die vielen erfüllten Jahre mit Dir!

Deine Menschen

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